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Der Bogen meiner Augenbrauen ist kein Weg
15.02.2019 20:00 Amthof

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Solo-Stück über Hertha Kräftner

In einer szenischen Collage entsteht aus Gedichten, Prosatexten, Tagebuchnotizen und Briefauszügen ein literarischer Kosmos, in dem nicht bloß ein Leben sichtbar wird, sondern auch die Bedingungen der Nachkriegszeit, vor allem für junge Künstlerinnen und Künstler, seit jeher Seismographen gesellschaftlicher Entwicklungen.
Keine biografische Aufarbeitung, keine Deutung persönlicher und psychischer Befindlichkeiten einer Schriftstellerin, denn die Texte mit ihrer immensen sprachlichen Kraft sprechen für sich selbst. Die einzelnen Textbilder werden durch Fragen verbunden, die sich aus dem heutigen Blick auf das Werk und die Person Hertha Kräftner ergeben, musikalische Passagen leuchten die Texte aus. Zudem treten in Liedern Stimmen in Erscheinung, die dem Gesellschaftsbild jener Zeit nachspüren.
So fördert die Erkundung dieses literarischen Nachlasses erstaunliche Parallelen zwischen der Nachkriegszeit und unserer Gegenwart zutage.

Hertha Kräftner war eine Schriftstellerin, deren Werk sich erst allmählich einem kleinen Leserkreis erschloss. Sie blieb draußen, auch wenn sie Teil der Wiener Literaturszene der Nachkriegszeit war. Wer über sie spricht kommt nicht umhin, ihr Werk vom Ende her, dem Tod, zu bedenken. Geboren am 26. April 1928, gestorben am 13. November 1951, 23-jährig an einer Überdosis Veronal. Heute gilt sie als Inbegriff dessen, was Österreichische Literatur nach 1945 bedeutete. Die Texte, im Besonderen ihre Prosatexte, wirken stets wie Fragmente. Bekannt wurde sie jedoch vor allem durch ihre Gedichte. Ihr Name wird auch im Zusammenhang mit dem Surrealismus genannt, weil sie mit ihren Texten zeigte, dass eine Betrachtung der Realität durch eine surrealistisch geschärfte Brille möglich ist, wodurch konkrete Details umso markanter und erkennbarer hervortreten.
Es ist ungerecht, ihr Werk auf den Freitod festzulegen. Man kann an ihm aber auch nicht vorbeisehen. Die Todesdeterminiertheit ist geradezu ein Qualitätsmerkmal, weil jedes Pathos völlig fehlt. Sie hat sich nicht selbst glorifiziert, sondern bewusst gemacht, wie prekär die Situation jener war und bis heute noch ist, die versuchen, durch ihre schriftstellerische Existenz Leben auszuleuchten.

Abends
Er schlug nach ihr. Da wurde ihr Gesicht sehr schmal und farblos wie erstarrter Brei. Er hätte gern ihr Hirn gesehen. – Das Licht blieb grell. Ein Hund lief draußen laut vorbei. Sie dachte nicht an Schuld und Schmerz und nicht an die Verzeihung. Sie dachte keine Klage. Sie fühlte nur den Schlag vom nächsten Tage voraus. Und sie begriff auch diesen nicht. (20.03.1949)

Warum ich schreibe:
Weil die sichtbar gemachten Worte die Macht haben sollen, ihren seltsamen Einfluss auf mich zu löschen.


Es spielen:
Johanna Hainz
Die gebürtige Bleiburgerin Johanna Hainz erhielt ihr Schauspiel-Diplom im Juni 2016. Sie wirkte im Rahmen der Bleiburger Theatertage bereits bei einigen zentralen Eigenproduktionen der Kulturinitiative Bleiburg mit: Geschlossene Gesellschaft - von Jean Paul Sartre (2012), Draußen vor der Tür - von Wolfgang Borchert (2013), Wir verkaufen immer - von Robert Woelfl (2014), Zornige Lieder – Singen, was zu sagen ist (2015) und Wir sind keine Barbaren - von Philipp Löhle (2018) . Zuletzt wirkte sie in folgenden Stücken mit: Alma – A Show Biz ans Ende - inszeniert von Paulus Manker (2017 und 2018), Das andere Land - inszeniert von Ute Liepold (2018).

Stefan Thaler
Studierte Kontrabass am Klagenfurter Landeskonservatorium sowie Arrangement und Kontrabass am Royal Conservatory The Hague bei namhaften Lehrern wie Hein van de Geyn oder Frans van der Hoeven. Seit 2000 arbeitet er als freischaffender Musiker, Komponist und Produzent in Wien. Im Zuge seiner Karriere gewann er mit diversen Bands zahlreiche Wettbewerbe. Musikalische Mitwirkung bei den Bleiburger Theatertagen bei Au Du mein Ö! (2011), Draußen vor der Tür - von Wolfgang Borchert (2013), Sorbisches Requiem (2014), Zornige Lieder – Singen, was zu sagen ist (2015)

Bernie Mallinger
Bernie Mallinger studierte Violine an der Kunst-Universität Graz und reiste nach seinem Abschluss in die USA, wo er u.a. Workshops an der Manhattan School of Music und der Juillard School in New York belegte. Seit 1997 arbeitet Mallinger als freischaffender Musiker, der sich früh für genreübergreifende Sounds interessiert hat. Er hat bei
zahlreichen Projekten in den Bereichen Jazz, Folk, Rock, Pop und Neue Musik mitgewirkt.
Mitglied des radio.string.quartet.vienna

Konzept und Regie Michael Stöckl
Schauspieltraining Stephan Wapenhans
Gesang Reinhard Wulz
Bühnengestaltung Simona Krajger
Licht Martin Motschnik


Ermäßigung mit Plus Club Joker!



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